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German Enlightenment Portraiture: Art and Culture

Posted in exhibitions by Editor on August 6, 2010

Information on the following exhibition comes from the Gleimhaus Museum. For a scholarly point of entry into Wilhelm Ludwig Gleim’s “Temple of Friendship,” see Leah Hochman, “The Ugly Made Beautiful: Mendelssohn as Icon,” Journal of Modern Jewish Studies 5 (July 2006): 137–161. The museum itself is described here in a brochure describing the use of “EU Structural Funds for the City of Halberstadt”:

With the Enlightenment in the 18th century, Halberstadt experienced years of great intellectual activity. In 1747 the poet Johann Wilhelm Ludwig Gleim was appointed as cathedral secretary in Halberstadt, after years in the service of the Prussian King. Gleim knew all the important German-speaking authors of his time, and his house, his “temple of friendship” near the cathedral, was a meeting place for literary greats such as Johann Wolfgang von Goethe, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried Herder, Johann Heinrich Voß, Friedrich Gottlieb Klopstock and Jean Paul. Today, Gleim’s house is Germany’s second-oldest museum of literature, and the poet’s extensive estate comprising letters, books and portraits makes it a cultural site of remembrance of national significance. . . .

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Von Mensch zu Mensch: Porträtkunst und Porträtkultur der Aufklärung
Gleimhaus Museum, Halberstadt, Germany, 29 August — 20 November 2010

Jahrhunderte lang war das Porträt innerhalb der Kunst gering geschätzt worden, denn es strebte nicht nach Schönheit, sondern nur nach Ähnlichkeit. Diese Geringschätzung wandelte sich im Zeitalter der Aufklärung in ihr Gegenteil. Das Bildnis erlebte nun eine hohe Blüte, die gekennzeichnet war nicht etwa durch Prachtentfaltung, sondern durch die Konzentration auf das Gesicht. Der Mensch wurde als der nobelste Bildgegenstand bestimmt, das Gesicht konsequenter als je zuvor als Membran aufgefasst. Damit galt das Porträt nunmehr als Darstellung der Seele. Der Mensch zeigte sich nicht mehr nach seiner sozialen Geltung, sondern als Verstandes- und Gefühlsmensch. Das Bildnis war nicht mehr auf Autorität, sondern auf Sympathie angelegt. Bezeichnend hierfür ist, dass den meisten Porträts ein Lächeln ins Gesicht geschrieben steht.

Die Ausstellung Von Mensch zu Mensch. Porträtkunst und Porträtkultur der Aufklärung verzichtet auf das repräsentative und effektvolle Bildnis und beschränkt sich stattdessen weitgehend auf das Brustbild – wie bereits der Dichter und Sammler Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der erklärte, nur Ritter lassen sich mit Sporen malen, bei Denkern genüge der Kopf. Gleim hat in seinem so genannten ‘Freundschaftstempel’ Bildnisse seiner Freunde und verdienter Zeitgenossen versammelt. Diese Sammlung – die größte Porträtsammlung der deutschen Geisteswelt des 18. Jahrhunderts – bietet ein Panorama der Porträtkunst der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zugleich steht mit der Person ein Exponat des innigen Umgangs des 18. Jahrhunderts mit dem Bildnis vor Augen – der Zwiesprache mit dem Porträt, des Küssens, Bekränzens und Sammelns des Bildnisses. Beides will die Ausstellung zeigen: Porträtkunst und Poträtkultur im Zeitalter der Aufklärung.

Der ‘Freundschaftstempel’ Gleims, dessen Wände mit Bildnissen dicht behängt sind, stellt selbst das zentrale Exponat der Ausstellung dar, die daher an keinem anderen Ort möglich wäre. Dieser Bestand wird ergänzt durch Meisterwerke der Porträtkunst aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen.

Die Ausstellung lässt das Bildnis als allgegenwärtiges Medium der empfindsamen Kommunikation erkennbar werden, an das sich das ausgeprägte “sittlich-gesellige Interesse” dieser Epoche am Menschen (Goethe) knüpfte. Die Porträtkunst der Aufklärung weist mit ihren Qualitäten von Menschlichkeit und Zwischenmenschlichkeit allgemeingültige Werte auf, mit denen ihr heute noch – und gerade heute – besondere Geltung zukommt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Helmut Börsch-Supan, Reimar F. Lacher und Doris Schumacher im Wallstein-Verlag, Göttingen. Die Ausstellung ist einer der zentralen Beiträge zu dem Themenjahr Menschenbilder des Museumsnetzwerkes Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert. Sie wird unterstützt vom Land Sachsen-Anhalt, von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt und den ÖSA Versicherungen. Die Schau ist bis zum 20. November zu sehen.

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