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Exhibition: Artists’ Travels to Italy, 1770-1880

Posted in books, catalogues, exhibitions by Editor on October 24, 2010

Press release from the museum’s website (the catalogue is available through artbooks.com) . . .

Viaggio in Italia: Künstler auf Reisen 1770–1880
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 11 September — 28 November 2010

Künstlerreisen nach Italien sind in der Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe durch eine immense Fülle von Werken belegt, von denen nun erstmals eine Auswahl vorgestellt wird. „Viaggio in Italia. Künstler auf Reisen 1770 – 1880“ zeigt mehr als 150 Skizzen und Zeichnungen, Aquarelle und Ölstudien, aber auch großformatige Kartons, Gemälde und Druckgraphik. Vor allem Rom als internationales Kunstzentrum zog Künstler aus ganz Europa an und bildete ein Forum für einen regen Austausch unter Malern, Architekten und Bild-hauern. So vereint die Ausstellung unter anderem Werke von Jean-Honoré Fragonard, Joseph Anton Koch, Bertel Thorvaldsen, Julius Schnorr von Carolsfeld, Carl Blechen, Camille Corot, Johann Wilhelm Schirmer, Arnold Böcklin und Anselm Feuerbach.

Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden Landschaftsmotive. Sie beginnt mit einigen Arbeiten französischer Künstler wie Claude Lorrain, Hubert Robert und Jean-Honoré Fragonard. Die jungen Stipendiaten der französischen Akademie in Rom durchstreiften die Campagna in der Nachfolge Lorrains, um zu zeichnen. Künstler wie Fragonard suchten nicht die unberührte, sondern die kultivierte Natur in Form von Parklandschaften, die sich als Kulisse für amouröse und gesellige Szenen eignete. Den französischen Werken werden Arbeiten von deutschen Künstlern wie Jakob Philipp Hackert, Wilhelm Friedrich Gmelin und Joseph Anton Koch gegenübergestellt, für die Italien vor allem aufgrund seiner historischen Dimension und seiner geschichtsträchtigen Stätten zum einzigartigen Anziehungspunkt wurde. Ihnen fehlte das Sammelbecken einer Akademie, doch knüpften sie vereinzelt Kontakte zu ihren Kollegen aus Frankreich und gründeten eigene Zirkel, in denen sie Ideen  austauschten.

Angeregt durch naturwissenschaftliche Forschungen, interessierte die Natur in der Vielfalt ihrer Erscheinungen. Wasserfälle, Grotten und Felsmassive gehörten zu den bevorzugten Motiven, die man auf ausführlichen Wanderungen vor Ort studierte. Aus einzelnen Versatzstücken wurden Landschaften komponiert, die ein harmonisches und ideales Ganzes bilden sollten. Eine Reihe von Druckgraphiken – die „Mahlerisch radierten Prospecte“ –  zeugt davon, wie beliebt diese Sujets waren und wie weit sie verbreitet wurden.

Parallel zur Beschäftigung mit der Landschaft und der Antike ließen sich die Künstler im Umfeld der Nazarener von der Malerei der italienischen Frührenaissance inspirieren. In groß-formatigen Kartons, die als Entwürfe für Fresken dienten und nur wenige Jahre vor der Er-öffnung der Kunsthalle erworben wurden, widmeten sich Künstler, unter ihnen Julius Schnorr von Carolsfeld, literarischen Themen wie den großen Epen des Ariost. Zugleich wandten sie sich verstärkt christlichen Motiven zu und schufen verinnerlichte, tief religiöse Kompositionen, die mit Werken von Marie Ellenrieder und Johann Friedrich Overbeck beispielhaft vertreten sind.

In den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts veränderte sich der Blick auf die Natur. Die Aquarelle, Ölstudien und Zeichnungen von Carl Blechen oder Ernst Fries spiegeln die Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Natur und die Suche nach einer malerischen Umsetzung des südlichen Lichtes. Dabei faszinierte ein knorriger Baumstamm ebenso wie die Ruine eines antiken Tempels oder eine dramatische Schlucht von Carl Blechen („Blick auf das Kloster Santa Scolastica bei Subiaco“, 1832). Mit Bleistift, in Aquarell oder auch in Öl werden die Eindrücke unmittelbar vor dem Motiv festgehalten. Derartige Studien – beispielsweise auf Capri – werden für Ernst Fries ebenso wie für seinen französischen Kollegen Camille Corot, dem er in Italien begegnete, zum Ausgangspunkt späterer, nach der Rückkehr entstandener Werke.

Von besonderem Interesse für die reisenden Künstler war immer wieder auch der Blick auf das ländliche Leben. Häufig idealisierten sie es als sorgenfreies geselliges Dasein unter südlicher Sonne. Während viele Künstler das Anekdotische in solchen Darstellungen suchten, gestaltete ein so herausragender Porträtist wie Franz Xaver Winterhalter seine  „Römische Genreszene“ (1833) als ein Sinnbild von Schönheit und Jugend. Der Spätromantiker Anselm Feuerbach idealisierte seine Lebensgefährtin Nanna Risi 1861 in einem Bildnis zu einer antikisch anmutenden Gestalt.

Ihre Fortsetzung findet die Landschaftstradition in den Werken Johann Wilhelm Schirmers, der 1839/40 nach Italien reiste. Auf der Suche nach Motiven zeichnete und malte er im Freien. Dabei geben seine Arbeiten nicht immer einen spontanen Natureindruck wieder.  Viele seiner Ölstudien komponierte er sorgfältig und überarbeitete sie zum Teil mehrfach. Schirmer, der erster Direktor der Karlsruher Akademie wurde, prägte als Lehrer mit seiner  Italienbegeisterung die nachfolgende Künstlergeneration entscheidend.

Zu seinen Schülern – damals noch an der Düsseldorfer Akademie – gehörte nicht zuletzt Arnold Böcklin, für den Italien zur werkbestimmenden Inspirationsquelle und wiederholt zum Lebensmittelpunkt wurde. Für die jüngere Künstlergeneration, zu der Emil Lugo und Edmund Kanoldt zählten, blieb die Landschaftsmalerei der vorangegangenen Jahrzehnte vorbildlich.

Ein eigener Raum ist den Karlsruher Architekten gewidmet, die nach Italien reisten und dort nicht nur die Bauwerke skizzierten, sondern auch malerische Ansichten schufen. Die Spannbreite reicht von Friedrich Weinbrenner, der das Stadtbild Karlsruhes um 1800 mit seinen Bauten wesentlich bestimmte, bis hin zu Josef Durm, dessen Formensprache sich nicht mehr an der klaren Strenge der Antike orientierte, sondern durch die überbordende Dekorationsfülle des Manierismus beeinflusst wurde.

Die Karlsruher Ausstellung schöpft aus einem Fundus, der bereits vom badischen Fürsten-haus angelegt wurde. Vor allem Großherzog Leopold, der Italien als junger Mann auf seiner „Grand Tour“ gründlich kennengelernt hatte, förderte Künstler, vergab Reisestipendien und erwarb italienische Ansichten. Als Bauherr der Kunsthalle in Karlsruhe wählte Leopold mit Heinrich Hübsch einen Architekten, dessen Stil auf klassische Vorbilder der italienischen Baukunst referierte. Das Gebäude bildet somit einen idealen Rahmen für eine Ausstellung,
in der der Italiensehnsucht jener Zeit nachgespürt wird.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Werner Busch, Regine Hess, Siegmar Holsten, Holger Jacob-Friesen, Astrid Reuter, Steffi Roettgen, Dorit Schäfer, F. Carlo Schmid, Ulrich Maximilian Schumann und Kathrin Wranek. Rund 330 Seiten mit zahlreichen, zumeist farbigen Abbildungen.

Das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung bietet einen „Italienischen Sonntag“ mit einem Angebot für die ganze Familie, eine Fülle von Fachvorträgen, Lesungen mit Ingo Schulze und Klaus Wagenbach in Zusammenarbeit mit der Literarischen Gesellschaft und der Stephanus-Buchhandlung, zwei Konzerte sowie ein Filmprogramm der Kinemathek.

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